Mittwoch, 13. Februar 2008 13:56
In den letzten drei Wochen habe ich mich sehr intensiv mit dem asiatischen Brettspiel Go beschäftigt. Die anfängliche Faszination hält auch immer noch an und es kann gut sein, dass Go-Spielen demnächst zu einer meiner neuen Freizeitbeschäftigungen gehören wird.
Zum einen beeindruckend ist die unglaubliche Komplexität von Go. Es gibt unglaubliche 4,63 × 10170 unterschiedliche Stellungen auf einem Go-Brett (Im Vergleich dazu bei Schach sind “nur” 1043 Stellungen möglich.) Dies soll nur mal verdeutlichen wie vielfältig eine Partie Go ausfallen kann und das es nach wie vor unmöglich ist ein gutes spielstarkes Computerprogramm zu entwickeln, dass auch einen Meister Probleme bereiten könnte.
Für alle, die das Spiel Go nicht kennen hier eine kurze Einführung:
- Gespielt wird auf einem Spielbrett, dass mit 19×19 Linien in 381 Schnittpunkte eingeteilt ist. (In der Anfängerphase wird auch oft auf einem 9×9 oder 13×13 Brett gespielt, bei Tunieren sind jedoch immer 19×19 üblich) Jeder Spieler spielt ähnlich wie beim Schach abwechselnd je einen schwarzen bzw. weißen Stein auf das Brett. Die Steine werden jedoch nach dem Setzten nicht mehr bewegt und verblieben bis zum Spielende an der Stelle wo sie liegen (Mit Außnahme, dass sie geschlagen werden!)
- Ziel es Spiels ist es mit den Steinen der eigenen Farbe ein möglichst großes Gebiet aus Schnittpunkten auf dem Spielbrett abzustecken und den Gegner natürlich daran zu hindern genau dieses Ziel zu erreichen.
- Dabei sind eigentlich nur 3 Regeln wichtig: 1. Wenn ein Steine keine Freiheit (Freie Schnittpunkte um den Stein herum – jedoch nicht diagonal vom Stein aus gesehen) mehr hat wird er vom Brett genommen – 2. Selbstmord ist verboten (Man darf einen Stein an keine Stelle setzen, an der er nach dem Zug keine Freiheit mehr hätte) 3. Ko-Regel: Ein Stein darf nicht geschlagen werden, wenn dadurch die bereits bestehende Situation auf dem Brett wiederholt werden würde (Soll Endlosschleifen verhindern.)
- Das Ende einer Partie ist erreicht, wenn beide Spieler direkt nacheinander keinen sinnvollen Zug mehr sehen und passen. Gewonnen hat dann der Spieler der nach dem Verrechnen der gefangenen und geschlagenen Steine die meisten Schnittpunkte auf dem Spielfeld mit seinen Steinen umschlossen hat.
- Die Spieler werden ähnlich wie bei Kampfsportarten in Schüler- (kyu) und Meistergrade (dan) eingeteilt. Durch dieses System ist es auch wieder ähnlich wie beim Schach möglich die Spielstärke eines Gegners einzuschätzen, aber auch durch ein Handycap-System das Spielen von interessanten Partiene gegen deutlich stärkere und schwächere Spieler zu ermöglichen.
Diesen Einblick nur als kurze Übersicht, wer jetzt neugierig geworden ist sollte sich die Linkliste am Ende dieses Beitrags ansehen. Alle (Sonder-)Regeln und den Ablauf einer Go-Partie zu beschreiben würde den Rahmen dieses Artikels sprengen! (Dafür kann ich den Artikel bei Wikipedia über Go empfehlen) Ich kann Jedem der sich für Go interessiert nur nahelegen sich schnellstmöglich Zugang zu einer der vielen Go-Spiele-Abende in Deutschland zu verschaffen. Nachdem ich im Internet so viel über das Spiel erfahre habe wollte ich es dann doch näher kennen lernen und ich finde dass das eigentlich nur im Reallife mit echten Menschen, echten Steinen und einem echten Brett geht!
Grüße an dieser Stelle an den Wiesbadener Go-Treff (WiGo)
Ich werde mit Sicherheit in Zukunft häufiger von meinen Erfahrungen und Erlebnissen in Zusammenhang mit Go berichten. Anbei noch mein Ranggraph vom KGS-Internet-Go-Server auf dem ich regelmäßig unter dem Namen noiz1709 ein paar Partien (meist abends) spiele um Routine zwischen den Spielabenden zu bekommen.

(Dieser Ranggraph ist momentan noch nicht offiziell, da ich noch keine gewerteten Spiele absolviert habe )
Interessant ist vielleicht zum Abschluss noch eine kleiner Einblick, wie sich Go im Laufe der letzten Jahre weiterentwickelt hat: Noch vor wenigen Jahren war Go in Europa und der nicht-asiatischen Welt eher unbekannt. In Japan wurde Go als Spiel für alte Leute angesehen , der Nachwuchs blieb aus, weil Go einfach nicht “cool” war. Das änderte sich schnell als in Japan ein Manga und die dazu passende Animé-Serie “Hikaru no Go” veröffentlich wurde in der ein Schüler durch den jahrtausend alten Geist eines verstorbenen Go-Meistert nach und nach Zugang zu dem Spiel findet. In der asiatischen Welt kann man Go auf einem sehr hohen und professionellen Level betreiben. Die Wenigen, die die harte Schule als Go-Profi bestehen können damit sogar ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Hier zeigt sich für mich eine große Faszination für das Spiel: In der 4000 Jahre andauernden Geschichte von Go (es zählt zu den ältesten Brettspielen der Welt) haben sich die Regeln nur ganz geringfügig verändert, das Spielmaterial ist schlicht und immer noch sehr traditionell. Trotzdem übt es auf viele Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen eine immer noch große Fasznation aus. Dieses Spiel, in dem man auch viele philosophische und selbst-reflektierende Elemente findet hat sich also nahezu unverändert bis in das 21. Jahrhundert behaupten können.
Linkliste:
Deutscher Go-Bund (http://www.dgob.de) Das Portal für die Go-Szene in Deutschland)
Sensei’s Library (http://senseis.xmp.net) Das Ultimative Archiv für alles was das Thema Go betrifft
KGS-Server (http://www.gokgs.com) Go im Internet spielen (Java-Applet, für alle Betriebssysteme)
Hebsacker Verlag (http://www.hebsacker-verlag.de) Spielmaterial und Bücher
Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Go_%28Spiel%29) Artikel über das Spiel Go im Wiki – Gute Regelerklärung)