Im Kontext der Summe aller Web 2.0-Aktivitäten wird eine großen Menge Informationen von einer Vielzahl an Nutzern gebloggt, getwittert, geflickert und vieles mehr. Gerade bei den ganzen Microbloging-Diensten (Twitter & Co.) ensteht eine Menge an Informationen, die meist die Banalität des Alltäglichen nicht übersteigt. Aber wer liest dieses digitale Grundrauschen? Das Motto von Twitter ist bswp. “What are you doing right now?”. Sicher, wenn ich eine treue Zahl an Followern habe, die vielleicht auch noch mit mir bekannt sind, dann interessiert es diesen kleinen Interessentenkreis sicherlich, wo ich mich gerade befinde, wie ich meinen Abend plane, wen ich getroffen habe, oder wie es mir gerade geht. Aber was passiert mit den ganzen ungelesenen Informationen? Die vielen Twitter-Feeds, die niemand liest?
Es wird immer gesagt, dass das Internet nichts vergisst. Durch eine Vielzahl an Diensten wird das Meiste was sich im Web einfindet in irgend einer Form gespiegelt, sei es als Feed, Trackback, in den Weiten aller Blog-Suchmaschinen, als Forum-Postings oder auch als Signatur in einer Email, die dann in irgend einem öffentlichen Email-Archiv landet. Ich habe dabei immer die Vorstellung, dass sich eine Art digitale Fossilien bildet, die sich vielleicht in 50 oder 100 Jahren dann irgendwo auf einem Server im Backup einer SQL-Datenbank eines Microbloggingdienstes wiederfinden. Was werden folgende Generationen mit diesen Informationen anfangen können? Werden sie genau wir wir momentan mit den Scherben einer Vase einer vergangenen Zivilisation ein Abbild unseres momentanen Lebens erstellen können? Wie wird es möglich sein zu erkennen welche Scherben zusammengehören, Scherben, die durch die Weiten des WWW über die ganze Welt verteilt sind?
Nehme ich mich mal als Beispiel und lasse ich meinen aktuellen Web 2.0-Bemühungen Revue passieren komme ich zu folgendem Bild von. Um die Daten zusammenzuführen nutze ich bspw. eine Verknüpfung aus meinem Realname und meinem im Netz am häufigsten benutzen Nickname.
Ich bin Hörgeräteakustiker aus Wiesbaden, bin zum aktuellen Zeitpunkt 27 Jahre alt. Ich betreibe ein Forum für Hörgeräteakustiker, interessiere mich für Linux und OpenSource sowie für Espresso. Außerdem habe ich einen Zwerghamster und spiele gelegentlich den Shooter Warsow, betreibe einen Rootserver und mache jeden Sonntag ein Foto mit wiederkehrendem Motiv, dass ich ins Netz stelle.
Dies ist jetzt so in etwa der grobe Inhalt meines FriendFeeds, den ich vor einiger Zeit mal eingerichtet habe und der auf meinen Twitter-, Youtube- und Flicker-Account sowie mein Blog konfiguriert ist. Einge Details kann man ermitteln, wenn man sich genauer mit den einzelnen Aspekten meines Web-2.0-Lebens beschäftigt.
Ob diese Informationen jemals eine Relevanz haben? Ich habe gerade mal 2 feste Follower bei Twitter, und der Traffic auf meinem Blog entspricht sicher nicht dem von basicthinking.de!
Ich denke schon, dass ich das eine oder andere wichtige zu sagen habe, aber wenn es niemand liest, dann landes es wohl oder übel irgend wo im Netz auf dem digitalen Abstellgleis. Wer weiß schon ob genau diese Zeilen irgend wann in vielen Jahrzenten mal jemanden schmunzeln lassen. Vielleicht ist es ja auch gar kein Mensch mehr. Vielleicht irgend ein Googlebot oder automatischer Parser, der Schicht für Schicht die Ansammlung an digitalem Staub aus den Archiven abträgt und das Leben eines End-Zwanzigers im Deutschland des noch jungen 21. Jahrhundert an die Oberfläche befördert. In diesem Fall wünsche ich viel Vergnügen mit dem was über mich zu finden ist.