Treffen der Generationen: HTC Magic (2009) vs. Atari Portfolio (1989)
Nach 20 Jahren der PDA- und Smartphone-Geschichte ist es nun endlich Zeit für den ultimativen Showdown: Ein aktuelles Android-Phone von HTC gegen DEN Handheld-Computer der 80er Jahre. Wer wird sich im harten Alltag bewähren? Welches Gerät bietet mehr für’s Geld? Das soll dieser knallhart recherchierte Test ermitteln!
Zunächst die harten Fakten der beiden Kontrahenten:
HTC Magic
Erscheinungsdatum: 2009
Größe: 113 x 55 x 14 mm
Gewicht: 118 g
Prozessor: Qualcomm MSM7201a mit 528 MHz
Speicher: 192 MB RAM, 512 MB ROM + Erweiterung bis 8 GB mit microSD-Karten
Schnittstellen: GSM, UMTS, Bluetooth, WLAN, USB
Display: TFT-Touchscreen mit 320 x 480 Pixel und 65536 Farben
Tastatur: Virtuelle On-Screen Tastatur
Betriebssystem: Android 1.6 (Stand 4. Quartal 2009)
Kaufpreis: ca. 380 €
Atari Portfolio
Erscheiungsdatum: 1989
Größe:26 x 197 x 98 mm
Gewicht: 433 g (ohne Batterien)
Prozessor: Intel 80C88 mit 4,9 MHz
Speicher: 128 kB RAM 256 kB ROM + 64 oder 128 kB in Speicherkarten
Schnittstellen: RS-232 Schnittstelle oder Parallelport als Erweiterungs
Display: Schwarzweiß-LCD-Display mit 240 x 64 Pixel (= 8 Zeilen zu je 40 Zeichen)
Tastatur: Echte 63-Tasten Folientastatur
Betriebssystem: DIP 2.11 (vergleichbar mit DOS)
Kaufpreis: 999 DM (1989)
Die beiden Geräte werden sich im folgenden in den Disziplinen “Usability und Praxistauglichkeit”, “Connectivity und Schnittstellen”, “Erweiterbarkeit” und “Coolness-Faktor” bewähren müssen.

HTC vs. Atari: Wer wird gewinnen?
Usability und Praxistauglichkeit:
Im direkten ersten Vergleich fällt natürlich auf, dass das HTC Magic deutlich tragbarer und kompakter als der Atari Portfolio ist. In der heutigen Zeit, in der Geräte immer und überall verfügbar sein müssen sicherlich ein deutlicher Pluspunkt für das Magic. Auf der anderen Seite war man 1989 schon ziemlich froh diese geballte Rechenpower des Atari Portfolio überhaupt tragbar zur Verfügung zu haben. Auch die Tastatur sollte nicht vernachlässigt werden: Mit etwas Übung ist auf dem Portfolio ohne Probleme echtes 10-Fingersystem möglich, der solide Druckpunkt und das sanfte Klackern über den eingebauten Mono-Lautsprecher geben eine zuverlässige Rückmeldung. Das HTC hat keine physische Tastatur, dafür versucht es durch leichte Vibrationen eine taktile Rückmeldung des Touchscreen zu vermitteln. Das ermüdungsfreiere Schreiben ist jedoch definitiv auf dem Portfolio möglich. Zur Praxistauglichkeit muss man sicherlich auch die Standbyzeit mit einbeziehen: Der Praxistests zeigen bei mit (je nach Nutzung des Geräts) beim Magic ca. 2-3 Tage, bei täglicher Nutzung des Portfolio(ca 1-2 Stunden pro Tag) kommt man ungeschlagen auf rekordverdächtige 3-4 Wochen mit einer Batterieladung! (3 Alkaline AA-Batterien).
Beide Geräte verfügen schon von Haus aus über eine umfangreiche Grundausstattung an Software so dass die gängigen Tätigkeiten, die man von einem mobilen Gerät erwartet auch ohne viel Aufwand bewältigt werden können. Beim HTC Magic wird mehr Wert auf Kommunikation und Vernetzung gelegt, der Atari Portfolio hingegen bietet mit 5 vorinstallierten Büroprogrammen (Textverarbeitung, Lotus 1-2-3-kompatible Tabellenkalkulation, Adressverwaltung, Kalender und Taschenrechner) eine solide Basis für das mobile Office.
Zwischenstand: In dieser Kategorie gewinnt das Magic knapp mit 4 von 5 möglichen Punkten aufgrund der guten Portabilität. Abzüge gibt es für die schlechte Tastatur. Die vollständige QUERTZ-Tastatur des Portfolio ermöglicht auch längeres ermüdungsfreies Schreiben. Ein ca. 500 Gramm schweres Gerät in der Größe einer VHS-Videokasette trägt jedoch keiner gerne mit sich herum. Dafür gibt es 3 von 5 Punkten.

Der Größenvergleich ist “interessant”…
Connectivity und Schnittstellen:
Was wäre ein mobiles Gerät ohne seine Schnittstellen zur Außenwelt? Gerade in der heutigen Zeit ist es elementar wichtig mit dem portablen Gerät mit der ganzen Welt in Verbindung zu stehen. Dies ist dann auch ohne Zweifel die Disziplin des HTC Magic: Dank WLAN, UMTS und Bluetooth sowie einer USB-Schnittstelle bleiben einem alle Wege der Vernetzung mit der Welt offen! Schnell mal einen Blogartikel von unterwegs editieren? Den Server per SSH administrieren? Twittern und Emails lesen? Alles kein Problem! In dieser Disziplin muss der Portfolio hingegen einen herben Rückschlag hinnehmen: Die einzige Anbindung nach “außen” ist der Erweiterungsport auf der rechten Seite, an den man wahlweise eine serielle oder parallele Schnittstelle anschließen kann. Wem das nicht ausreicht, der kann sich im Internet verschiedene Do-It-Yourself-Bauprojekte raussuchen die unter anderem auch eine Ethernetschnittstelle hervorgebracht haben.

Der parallele Erweiterungsport.
Programme auf dem Atari zu installieren gestaltet sich zudem etwas umständlicher, da zunächst die Programme über die parallele Schnittstelle mittels der auf einer Diskette mitgelieferten Software übertragen werden müssen.
Zwischenstand: Wer wirklich Wert auf eine gute Anbindung an alle Netze legt der ist sicher mit dem HTC Magic besser ausgerüstet. Das bedeutet eindeutig 5 von 5 möglichen Punkten. Der Atari Portfolio muss sich jedoch nicht wehrlos geschlagen geben: Die Unterstützung auch altertümlicher und exotischer Schnittstellen ist sicher für die ein oder andere Berufsgruppe nocht wichtig! Somit 2 von 5 Punkten für den Atari!
Erweiterbarkeit:
Was wäre ein mobiles Gerät ohne die Möglichkeit es zu erweitern und individuell an die persönlichen Anforderungen anzupassen? Auch hier hat das HTC Magic auf den ersten Blick die Nase vorne: Speicherplatz bietet das Gerät schon von Haus aus in größeren Mengen. Wem das nicht reicht der kann in Form von microSD-Karten immer noch nachlegen. Der Androidmarket bietet für jeden noch so abstrusen Anwendungsfall das passende App und das Android Betriebssystem bietet aufgrund der OpenSource-Strategie auch für die Zukunft sicher noch unbegrenzte Möglichkeiten.

ca. 8.000.000 kB treffen auf 64 kB
Aber auch der Portfolio bietet dem stolzen Besitzer vielerlei Möglichkeiten der Erweiterung und Anpassung. Zwar sind die Speichermedien mit 64 kB etwas “unterdimensioniert” (Die Datei post.php von Wordpress bspw. ist ca 61 kB groß, würde also gerade so auf eine der Speicherkarten passen) trotzdem hat der Portfolio auch heute noch eine treue Fangemeinde und gegenüber dem Androidmarket gut 20 Jahre Vorsprung was die Softwareentwicklung durch Hobbyprogrammierer angeht.

Geballte 128 kB Speicher!
Als Zwischenstand bleibt zu sagen: Beide Geräte bieten die Möglichkeit den internen Speicher zu erweitern, beide Geräte haben ein großes Potential an Erweiterungssoftware. Somit kommen wir auf 5 von 5 Punkten für das HTC Magic und 4 von 5 Punkten für den Atari Portfolio (Punktabzug dafür dass die Speicherkarten als Puffer eine Batterie benötigen!)
Coolness-Faktor:
Ahhh! Endlich die subjektivste aller Disziplinen. Hier hat es das HTC Magic schon deutlich schwerer: Man muss schon zugeben dass HTC in keiner Form ein Designklassiker à la iPhone gelungen ist. Das Magic ist gefällig, ohne aufzufallen. Ein Durchschnitts-Gerät in einer Durchschnitts-Form. Anders sieht es beim Atari Portfolio aus: Wer dieses Gerät aus der Tasche zieht und aufklappt hat sicherlich alle Blicke auf sich gerichtet. Das war 1989 so und das auch zukünftig so bleiben! Das robuste und unverwüstliche, zeitlose Design suggeriert jedem im Raum, wer hier gerade den Größten (PDA) hat. In dieser Disziplin gewinnt der Atari haushoch mit 5 von 5 möglichen Coolness-Punkten. Das HTC Magic als gefälliges Einheitsallerlei, das sich nicht aus der Masse hervorhebt muss sich mit 1 von 5 Punkten begnügen!

Wie cool sieht das bitteschön aus??
Fazit:
Die Entscheidung fällt knapper aus, als man es vielleicht zu Beginn des Testberichts erwartet hätte: Mit insgesamt 15 von 20 möglichen Punkten gewinnt das HTC Magic haarscharf vor dem Atari Portfolio mit 14 von 20 möglichen Punkten. Letztendlich machten sich nur die Schwächen in der Verbindung zum Internet bemerkbar. Diese Schwächen kann der Portfolio jedoch durch seinen maximalen Coolness-Faktor locker ausgleichen. Für welches Gerät man sich also letztendlich entscheidet hängt eher vom persönlichen Geschmack ab:
Möchte man die vollausgestattete Multimedia-Maschine die jedoch aufgrund der kurzen Batterielaufzeit etwas schwächelt so greift man zum HTC Magic. Wer jedoch auf solide verarbeitete 80er Jahre 16-Bit-Technik in der Größe einer Videokassette steht der wird sicher beim Atari Portfolio fündig! Mit beiden Geräten findet man auf jeden Fall einen kompetenten Begleiter im digitalen Alltag!



